Erinnerungskultur: CDU will Fläche in Frohnau als "Familie-Rudolphson-Platz" benennen

BVV NIMMT CDU-INITIATIVE AUF | REINICKENDORF STÄRKT ERINNERUNG AN JÜDISCHES LEBEN VOR ORT

Bild: CDU-Fraktion ReinickendorfBild: CDU-Fraktion Reinickendorf

Die BVV hat einen Antrag der CDU-Fraktion Reinickendorf angenommen und befasst sich damit, ob man die bislang namenlose Grünfläche an der Ecke Ludolfingerweg / Alemannenstraße in Frohnau künftig als „Familie-Rudolphson-Platz“ benennen und mit einer Gedenktafel so auszuweisen könnte. Der Antrag dafür geht auf Richard Gamp zurück. Die CDU-Fraktion Reinickendorf macht sich dafür mit der CDU Reinickendorf stark.

Die deutsch-jüdische Familie Rudolphson gehörte zu den frühen Siedlern der 1910 gegründeten Gartenstadt Frohnau. Dr. Gustav Rudolphson war einer der ersten Ärzte im Ortsteil und ließ in den Jahren 1911/12 ein Landhaus errichten. Im Ersten Weltkrieg diente er als Stabsarzt und fiel 1916 an der Westfront. Seine Söhne engagierten sich unter anderem als Mitgründer des Frohnauer Tennis-Clubs.

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten änderte alles für die Familie: Wie viele andere jüdische Menschen mussten sie Verfolgung erdulden. Die Söhne flohen davor Mitte der 1930er Jahre nach Palästina, Tochter Margarete suchte im Exil in London Schutz, wo sie 1943 verstarb. Die Mutter, Johanna Rudolphson, wurde 1944 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Stolpersteine halten bereits heute die Erinnerung an Mutter und Tochter wach.

Die Maßnahme ist einfach umsetzbar und bedeutet keine Adressänderungen für die Anwohner. Ziel ist es, die Geschichte der Familie Rudolphson stärker im öffentlichen Raum sichtbar zu machen, an ihr Schicksal zu erinnern und die Erinnerungskultur, speziellan jüdisches Leben, zu stärken. An der Fläche soll eine Informationstafel aufgestellt werden. Die BVV soll beschließen, das Bezirksamt um diese Maßnahmen zu ersuchen. Als alternativer Name wäre „Familie-Rudolphson-Promenade“ möglich, was an die ursprüngliche Planung einer Grünfläche in Mittellage zwischen zwei Fahrbahnen erinnern würde.

Die Idee geht ganz ursprünglich auf den Bürgerverein in der Gartenstadt Frohnau e. V. zurück, der die Umsetzung aktiv unterstützen möchte. Aktuell wird versucht, Kontakt zu Angehörigen herzustellen.

Richard Gamp erklärt: „In Zeiten wachsenden Antisemitismus ist es umso wichtiger, ein sichtbares Zeichen für Erinnerungskultur zu setzen und die Geschichte unseres Ortsteils wachzuhalten. Judenhass nimmt überall in unserer Gesellschaft auf erschreckende Art und Weise zu: Mit der Benennung der Grünfläche als Familie-Rudolphson-Platz können wir im Kleinen dem ein Zeichen entgegensetzen. Für uns ist klar: Erinnerungskultur beginnt auch im Alltag - auf unseren Straßen, Plätzen und Grünflächen. Mit unserer Initiative wollen wir hier nun einen sichtbaren Beitrag leisten.“

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